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Fehlernährung

Was ist das genau?

Fehlernährung, ernährungsbedingte Gesundheitsstörung, hervorgerufen durch unzureichende oder übermäßige Zufuhr eines oder mehrerer Nährstoffe.

Die Gefahr einer Mangelernährung besteht, wenn die zugeführte Energie- oder Nährstoffmenge den Bedarf nicht deckt. Bei einer energiearmen Kost werden im Körper zuerst die Fettdepots und dann die Proteindepots in den Muskeln und Organen verbraucht, um Energie bereitzustellen. Schließlich ist der Körper so geschwächt, dass er nicht mehr normal funktionieren oder Infektionen abwehren kann.

Insbesondere Kinder unter fünf Jahren leiden schneller an den Folgen einer Unterernährung als Erwachsene und entwickeln Protein-Energie-Mangelsyndrome. Die zwei häufigsten Formen dieser Syndrome, Marasmus und Kwashiorkor, kommen in allen Entwicklungsländern vor und sind lebensbedrohliche Zustände. Marasmus entsteht, wenn ein Kind vorzeitig entwöhnt wurde und energie- und nährstoffarme Nahrungsmittel erhält. Erleidet es wiederholt Infektionen (wie z. B. Gastroenteritis) aufgrund mangelhafter Hygiene, wird es möglicherweise mit nährstofflosen Flüssigkeiten wie Wasser oder Reiswasser „behandelt”. Typische Anzeichen eines Kindes mit Marasmus sind hochgradiges Untergewicht, fehlendes Körperfett und Muskelschwund.

Kwashiorkor tritt auf, wenn ein Kind eine stärkehaltige, aber proteinarme Kost erhält. Diese Krankheit folgt meist einer akuten Infektion, und eine hochgradige Abmagerung wird oft durch Wasseransammlungen kaschiert, was zu einem mondförmigen Gesicht und aufgeblähtem Bauch führt. Wie 2000 im Journal of Pediatrics mitgeteilt wurde, weisen an Kwashiorkor leidende Kinder einen akuten Mangel an Antioxidantien auf. Zu dieser Gruppe organischer Verbindungen gehören die Vitamine A und C, welche Körperzellen vor freien Radikalen schützen. Durch den Mangel werden gesunde Körperzellen zerstört, und das Immunsystem wird beeinträchtigt. Weltweit leiden 40 Millionen Kinder an Kwashiorkor.

In den Industrieländern zeigen sich die Folgen einer extrem energiearmen Kost bei Menschen mit Anorexia nervosa und manchmal auch in älteren Bevölkerungsgruppen. In diesen Ländern ist die am weitesten verbreitete Form der Energie-Fehlernährung allerdings die Überernährung, die sich z. B. in Adipositas äußert. Adipositas erhöht das Risiko von Herzleiden, Diabetes und anderen Krankheiten. Nach einer Untersuchung der Universität Texas leben Menschen, die sich fettreich ernähren, zudem mit einem höheren Risiko, an Vorläufererkrankungen von Hautkrebs zu leiden.

Wenn in der Ernährung eines Menschen Nährstoffe fehlen, entwickelt er Mangelsymptome. Mangelkrankheiten basieren gewöhnlich auf dem Fehlen von Vitaminen oder Mineralstoffen, sie treten in Industrieländern selten auf. Die ernsten Folgen eines Nährstoffmangels können in den Entwicklungsländern die Zahl der Erkrankungen und Sterbefälle gravierend erhöhen. Die Ursachen für Vitamin- oder Mineralstoffmangel können vielfältig sein. Der offensichtlichste Grund liegt in einer nur aus wenigen Lebensmitteln bestehenden, nährstoffarmen Kost. In Ländern, in denen hauptsächlich Mais und kaum andere Lebensmittel verzehrt werden, fehlt in der Nahrung möglicherweise das B-Vitamin Niacin; als Folge tritt manchmal die Mangelkrankheit Pellagra auf. Auch bestimmte Personengruppen haben manchmal Probleme, ihren Nährstoffbedarf zu decken. So können Frauen einen sehr hohen Eisenbedarf haben; eine Unterversorgung kann zu Anämie führen. Andere Menschen leiden an einer genetischen Störung, die einen Mangel verursacht. Mangelerscheinungen können auch geographisch begründet sein: In manchen Gegenden enthält der Boden (und folglich auch die dort wachsenden Pflanzen) kaum Iod. Da nur wenige andere Lebensmittel nennenswerte Iodmengen enthalten, können die Bewohner dieser Gebiete an dauerhaftem Iodmangel leiden (der möglicherweise zu Kropfbildung und Kretinismus führt).

Die Auswirkungen eines Vitamin- oder Mineralstoffmangels auf den Körper hängen von der Funktion des jeweils fehlenden Stoffes ab. Da z. B. Vitamin A wichtig für gutes Sehvermögen ist, führt ein schwerer Mangel zur Erblindung. Andererseits ist eine Überdosierung von Vitamin A ebenfalls problematisch: Nach einer von der amerikanischen Universität Boston publizierten Studie gehen Schwangere, die sehr hohe Vitamin-A-Dosen zu sich nehmen, ein erhöhtes Risiko ein, missgebildete Babys zur Welt zu bringen. Manche Vitamine oder Mineralstoffe haben viele Funktionen, so dass ein dauerhafter Mangelzustand mit weit reichenden Folgen für die Gesundheit verbunden ist.

2.6.07 22:57







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