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Wen trifft sie?

Wen trifft sie?

Wen trifft die Anorexia nervosa?

Die Anorexia nervosa scheint am häufigsten in industrialisierten Gesellschaften vorzukommen, in denen es einen Überfluss an Nahrung gibt und letztlich niemand hungern muss. Am häufigsten tritt sie bisher in den USA, in Kanada, Europa, Australien, Japan, Neuseeland und sogar Südafrika auf. Möglicherweise gibt es aber in vielen anderen Nationen nur nicht so exakte Untersuchungsergebnisse, obgleich das Leiden dort ebenfalls vorkommt bzw. vielleicht sogar im Ansteigen begriffen ist.
Wichtig sind vor allem die psychosozialen bzw. gesellschaftlichen Aspekte des jeweiligen kulturellen Bereiches, wobei es letztlich immer wieder auf einen Aspekt hinauszukommen scheint, nämlich: Attraktivität durch Schlankheit.


- Geschlecht: Mehr als 80 % der Fälle betreffen (junge) Frauen. Männer sind aber von diesem Leiden nicht ausgeschlossen.


- Die Häufigkeit (Fachbegriff: Lebenszeitprävalenz) für Anorexia liegt für Frauen bei etwa 0,5 -1 %. Die Dunkelziffer dürfte aber groß sein und der Prozentsatz sich vor allem dann erhöhen, wenn es sich um "Grenz-Fälle" handelt, die man (noch) nicht der eigentlichen Anorexia nervosa zurechnen kann. Insgesamt aber hat die Zahl in den letzten Jahrzehnten deutlich zugenommen - offenbar weltweit.


- Der Beginn liegt üblicherweise in der mittleren bis späteren Adoleszenz (also zwischen 14 und 18 Jahren, Durchschnittsalter bei 17), selten vor der Pubertät. Dort, wo die Anorexia nervosa später ausgebrochen sein soll, scheinen bei genauer Untersuchung schon früher gewisse seelische Störungen aufgetreten zu sein, die nur nicht zur Sprache kamen oder einfach (bewusst oder unbewusst) übersehen wurden. Auf jeden Fall ist der erstmalige Ausbruch jenseits des 40. Lebensjahres überaus selten (und muss dann auf andere, vor allem organische Ursachen einer krankhaften Magersucht-Entwicklung hin sorgfältig untersucht werden).


- Oft ist der Beginn der Krankheit mit einem belastenden Lebensereignis verbunden.


- Die seelischen, psychosozialen und körperlichen Folgen und damit der Verlauf des Leidens können sehr unterschiedlich ausfallen: Einige Betroffene genesen völlig nach einer einzigen Anorexie-Episode, andere zeigen ein so genanntes fluktuierendes Muster (Auf und Ab) von Gewichtszunahme und Rückfall. Wieder andere erleben einen sich chronisch verschlechternden Gesundheitszustand über Jahre und Jahrzehnte hinweg.
Insbesondere während der ersten fünf Jahre kann das Beschwerdebild von einem Ess-Störungs-Typ zum anderen wechseln, also beispielsweise von der reinen Anorexia nervosa zur Bulimia nervosa, bisweilen auch umgekehrt.


- Eine erbliche Belastung ist nicht auszuschließen. Für biologische Verwandte ersten Grades besteht sogar ein erhöhtes Risiko an Anorexia nervosa zu erkranken. Ähnliches gilt für affektive Störungen, also vor allem Depressionen. Auch die Zwillings-Forschung spricht eine deutliche Sprache.


- Ess-Störungen können ein lebensgefährliches Leiden werden. Wenn die seelischen und vor allem organischen Folgen schließlich bedrohlich werden, ist ein Klinikaufenthalt nicht mehr zu umgehen. Das sollte man ernst nehmen. Denn allein die Universitätskliniken mit ihrer statistischen Dokumentation sprechen bei der Anorexia nervosa von einer Langzeitmortalität (tödliches Ende aufgrund dieser Erkrankung) von etwa 10 %.
Die häufigste Todesursache ist - man sollte es nicht für möglich halten - Verhungern. Danach folgen Selbsttötung und schließlich organische Folgen, insbesondere ein Ungleichgewicht in bestimmten Stoffwechsel-Bereichen des Organismus (z. B. Elektrolyte).

2.6.07 20:37







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