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Beschwerden

Beschwerden und kurze Zusammenfassung

Welche Beschwerden finden sich bei einer Anorexia nervosa?


Schwierig kann die Frage werden, was ist Folge (direkt oder indirekt) bzw. welche sonstigen Störungen können mit einer Magersucht zusammenfallen und damit ggf. verwechselt werden? Das bedarf der sorgfältigen Abklärung durch den jeweiligen Facharzt (Psychiater, Neurologe, Internist, Gynäkologe, Orthopäde u. a.).
Nachfolgend eine kurz gefasste Übersicht über jene Krankheitszeichen, die sich (in welchem Zusammenhang auch immer) bei einer Anorexia nervosa finden lassen, in einer speziellen Tabelle noch einmal zusammengefasst:
• Am meisten Probleme bereiten seelische und psychosoziale Störungen:
- So entwickeln spätestens bei ausgeprägtem Untergewicht viele Betroffene mit Anorexia nervosa depressive Krankheitszeichen: niedergeschlagen, resigniert, freudlos, aber auch reizbar, aggressiv, schlaflos, ohne sexuelles Interesse, dazu von Rückzugsneigung und Isolationsgefahr bedroht. Dies kann soweit gehen, dass das Beschwerdebild dem einer ausgeprägten Depression ähnelt, so wie man früher die endogene Depression definierte (also eine von "innen", d. h. biologisch geprägte Schwermut, die heute in der englischsprachigen Fachwelt als Major Depression bezeichnet wird).
Unter diesen Umständen kann es sich tatsächlich einmal zwischen Depression und Ess-Störung um eine Verwechslung handeln, besonders in bestimmten Phasen beider Leiden, wo sich die Symptome noch am ehesten annähern, ohne dass weitere Charakteristika schließlich die zutreffende Diagnose ermöglichen.
- Gelegentlich finden sich auch Hinweise auf ein ungewöhnliches "Zwangsverhalten", was sich sowohl auf die Nahrung als auch auf nicht-nahrungs-bezogene Aspekte beziehen kann. Bei den Magersucht-Patienten konzentrieren sich die Zwangsgedanken allerdings in der Regel auf ihr Nahrungs-Verhalten bzw. bestimmte Nahrungsmittel. Einige sammeln sogar Rezepte oder horten Nahrungsmittel.
Wenn sich also das Zwangsverhalten besonders auf die spezielle Ernährung beschränkt, dann ist es im Rahmen der Anorexia nervosa zu sehen. Wenn es auch weitere Zwänge einschließt, dann handelt es sich möglicherweise um eine so genannte Co-Morbidität, d. h. dann sind zwei Krankheiten auf einmal zu ertragen (Anorexie und Zwangsstörung).
- Weitere Merkmale, die bisweilen mit einer Anorexia nervosa einhergehen können, sind bestimmte Vorbehalte, warum nicht in der Öffentlichkeit gegessen werden kann (die Gründe kann man sich denken - s. o.), ferner Gefühle der Ineffektivität ("ich bin nichts, ich kann nichts, man mag mich nicht", so wie es auch Depressive in ihrem schwermütigen Tief quält), schließlich das starke Bedürfnis die eigene Umwelt zu kontrollieren (denn dadurch lassen sich die auffälligen Nahrungs-Verhaltensweisen am besten durchziehen), unterstützt von einem immer rigider (starrer) werdenden Denken, das auch einmal in einen unnötigen Perfektionismus münden kann.
Und am Schluss ein Rückgang der sozialen Aktivitäten und Initiativen, wie es in der Fachsprache heißt, oder allgemein verständlich: immer weniger Kontakt zu Familie, Nachbarn, Freunden, Kollegen u. a., bis hin zur zwischenmenschlichen Isolation.
- Nicht wenige Anorexie-Betroffene sind aber schon vor ihrer Ess-Störung durch bestimmte Persönlichkeitszüge aufgefallen. Einzelheiten siehe das entsprechende Kapitel über Persönlichkeitsstörungen. Hier gilt es vor allem die so genannte Borderline-Persönlichkeitsstörung zu studieren.
- Auch besteht mitunter eine Neigung zu Alkohol- und Rauschdrogen-Missbrauch, insbesondere bei jenen Patienten, die noch Laxanzien (Abführmittel) und Diuretika (harntreibende Substanzen) missbrauchen (was speziell die Ess-Störung Bulimia nervosa betrifft - siehe diese).
- Zuletzt fallen viele dieser Patienten schon vor ihrer Ess-Störung (und später noch viel mehr) durch eine ausgeprägte Gemüts-Labilität (Fachbegriff: Affektlabilität) auf, die sich in Krisenzeiten zu "dunklen Gedanken" oder gar Suizidversuchen verdichten können.
• Was die körperlichen Beschwerden anbelangt, die im Rahmen eines solchen Nahrungsmittel-Fehlverhaltens zu ertragen sind (bzw. dadurch verstärkt werden), so handelt es sich hier vor allem um eine Amenorrhoe (also ein Ausbleiben der Monatsblutung) sowie um Verstopfung, Bauchschmerzen, Kälte-Unverträglichkeit u. a.
Und im so genannten Antriebsverhalten um zwei gegensätzliche Pole, nämlich entweder Lethargie (Teilnahmslosigkeit, Trägheit) oder eine oftmals überschießend freigesetzte Energie, die je nach Möglichkeit oder Neigung auch einmal sportlich abgeführt werden kann oder muss. Manchmal wechseln sich die beiden Extrem-Zustände auch ab: einmal müde, matt und apathisch, dann wieder aktiv, dynamisch bis überdreht oder gar hektisch.
Der Endzustand einer solchermaßen extrem durchgezogenen Magersucht ist schließlich die Auszehrung, also ein regelrechter körperlicher Verfall. Aber auch Blutdruckabfall, zu geringe Körpertemperatur, Hauttrockenheit, ja sogar eine feine, flaumige Körperbehaarung am Rumpf (so genannte Lanugo) fallen dem aufmerksamen Laien und natürlich dem Arzt sehr rasch auf.
Viele Anorexie-Patienten leiden auch unter einer zu langsamen Herzschlagfolge, einige entwickeln periphere Ödeme (also Flüssigkeitseinlagerungen in den Geweben, vor allem in Händen und Füßen), mitunter sogar kleine Hautblutungen (Petechien), gewöhnlich an Armen und Beinen.
Wieder andere weisen eine unnatürliche gelbliche Hautverfärbung auf oder verändern ihre Gesichtskonturen, weil die Speicheldrüsen am Kieferwinkel (Ohrspeicheldrüsen) plötzlich größer werden. Bei jenen Personen, die ihr Erbrechen selber einleiten, kann es auch zu Beeinträchtigungen des Zahnschmelzes kommen. Einige zeigen sogar Narben oder Schwielen auf dem Handrücken, hervorgerufen durch ihre Zähne, wenn sie mit Fingern oder gar der ganzen Hand das Erbrechen auslösen.
Wenn es schließlich zu ernsten medizinischen Folge-Krankheiten kommt, dann drohen vor allem (Fachbegriffe, Einzelheiten siehe Fachliteratur) eine normochrome, normozytische Anämie, eine verschlechterte Nierenfunktion (verbunden mit chronischer Dehydrierung und Hyperkaliämie), kardiovaskuläre Störungen (extreme Hypotonie, Arrhythmien), Osteoporose (in Folge geringer Calciumeinnahme und -resorption) sowie reduzierte Östrogen- und erhöhte Cortisol-Ausschüttungen.

2.6.07 20:40







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