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Verwechslung

Mit was kann Anorexia Nervosa verwechselt werden?

Mit was kann eine Anorexia nervosa verwechselt werden?


Es wurde schon mehrfach darauf hingewiesen, dass es auch andere Ursachen eines bedrohlichen Gewichtsverlustes mit entsprechenden seelischen, psychosozialen und körperlichen Störungen gibt. Und dass man vor allem bei einer erstmaligen Erkrankung jenseits des 40. Lebensjahres in diesem Bereich sehr sorgfältig nachforschen muss.
• Das betrifft beispielsweise organische Krankheitsfaktoren wie gastro-intestinale (Magen-Darm-)Erkrankungen, Hirntumoren, verborgenen Krebs-Befall in anderen Organen, das erworbene Immun-Abwehrschwäche-Syndrom (AIDS) u. a., die alle mit erheblichem Gewichtsverlust verbunden sind.
Doch es gibt einen großen Unterschied. So gut wie alle Patienten mit diesen organischen Ursachen haben zumeist kein gestörtes Körperbild und wünschen sich auch keinen weiteren Gewichtsverlust. Im Gegenteil: Sie sind sich der (Lebens-)Bedrohung durchaus bewusst bzw. können bei entsprechender Aufklärung alle Therapie-Empfehlungen akzeptieren und sich konsequent danach richten.
• Was die seelischen Ursachen anbelangt, so muss man besonders auf eine Depression achten, bei der es ja ebenfalls zu Appetitlosigkeit und Gewichtsverlust kommen kann. Doch auch hier streben die meisten Schwermütigen weder einen übermäßigen Gewichtsverlust an (obwohl dieser noch am ehesten toleriert wird, nähert man sich doch erst einmal seinem "Idealgewicht", "aber dann ist Schluss". Vor allem haben sie keine so exzessive Furcht vor einer Gewichtszunahme (s. o.).
Auch bei der schizophrenen Psychose kann ein bizarres Essverhalten irritieren und gelegentlich ein erheblicher Gewichtsverlust auffallen. Doch auch hier zeigen die Betroffenen selten Angst vor einer Gewichtszunahme. Und wenn sie sich vor so mancher körperlichen Störung fürchten mögen, dann aber nicht so einseitig auf Figur und Gewicht ausgerichtet wie bei der Anorexia nervosa.
Einige kennzeichnende Merkmale sind allerdings auch bei anderen seelischen Störungen zu finden, auch wenn sie der Allgemeinheit weniger bekannt sein dürften, obgleich sie gar nicht so selten vorkommen. Dazu gehört die Soziale Phobie, also die Angst vor den anderen schlechthin mit Rückzug und Isolationsneigung, dazu gehören die erwähnten Zwangsstörungen und schließlich die körperdysmorphen Störungen (so genanntes Entstellungs-Syndrom, also die unbegründete Angst vor körperlicher Deformierung). Wo liegen die Berührungspunkte?
Patienten mit einer Anorexia nervosa können sich wie bei der Sozialen Phobie gedemütigt fühlen oder verlegen sein, wenn sie beim Essen in der Öffentlichkeit gesehen werden. Oder wie bei der Zwangsstörung können sie unter nahrungsbezogenen Zwangshandlungen und Zwangsgedanken leiden (s. o.). Und bei der körperdysmorphen Störung können ihre Gedanken ständig um einen theoretischen Mangel an ihrer körperlichen Erscheinung kreisen.
Ob nun das eine zum anderen passt oder ob in diesem oder jenen Fall beide Krankheiten gleichwertig auftreten (die erwähnte Co-Morbidität), muss der Facharzt entscheiden. Danach richtet sich dann auch die Therapie.
Und bei der Bulimia nervosa sind - wie eingangs erwähnt - die Unterschiede noch deutlicher, nämlich wiederholte Episoden von "Fressanfällen", gefolgt von selbstinduziertem Erbrechen, um die drohende Gewichtszunahme wieder rückgängig zu machen.

2.6.07 20:41







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